Morgendämmerung

Die Energiewende in Mittelfranken

Wir haben für Sie 9 Experten interviewt und gefragt, wie es um die Energiewende in Mittelfranken steht. Diese Geschichten haben wir hier zusammengestellt. Verschaffen Sie sich durch lesen, schauen und hören hier einen Gesamteindruck zum breiten Thema der Energiewende.

von Sami Wiese und Emanuel Wiesner

Die viel diskutierten

Energieerzeugung aus Wind, Solar und Biogas sind viel diskutierte Themen – ebenso der Bereich Elektromobilität. Eine Übersicht haben wir hier zusammen gestellt. Durch Klick auf die Symbole gelangen Sie zu den Bereichen, die für Sie interessant sind.

Alle Bilder können durch klick vergrößert werden.

Windenergie

Vermutlich hat der Mensch schon vor über 3000 Jahren erkannt, welche Kraft der Wind besitzt und die ersten Windmühlen gebaut. Im 19. Jahrhundert wurde dann das Prinzip der elektromagnetischen Induktion entdeckt: Ein sich rotierender Magnet kann elektrische Spannung erzeugen. Nur wenige Jahre später wurde die erste Mühle gebaut, bei der Wind in Strom umgewandelt werden konnte. Die Leistung betrug 12 Kilowatt, das hätte gereicht um etwa 800 moderne Energiesparlampen zum Leuchten zu bringen.
Heutige Anlagen leisten bis zu 7 Megawatt, das entspricht 7000 Kilowatt.

In Deutschland waren im Jahr 2015 etwa 26.000 Anlagen an Land im Einsatz.

Hinter all diesen schönen Zahlen gibt es aber auch Probleme, vor allem in Wolframs-Eschenbach. Die Mittelfranken in der nähe von Ansbach haben nichts gegen Windräder – eigentlich. Die neu geplanten Anlagen vom Typ „Nordex N117/2400“ mit einer Höhe von 200 Metern waren dann aber doch zu viel.

Michael Dörr
Michael Dörr (CSU)

Wir haben mit dem Bürgermeister von Wolframs-Eschenbach, Michael Dörr (CSU) gesprochen. „Im Stadtrat haben alle die neuen Windräder abgelehnt, abgesehen von einem Mitglied, auf dessen Land die Windräder gebaut werden sollten. Wir sprechen hier von 30.000 Euro Pacht jährlich.“
Eigentlich können die Windräder nach der 10H-Regelung gar nicht an dieser Stelle gebaut werden. Diese Regelung ist nur in Bayern gültig und schreibt vor, dass die Windräder mindestens die zehnfache der Höhe vom nächsten Wohngebiet entfernt gebaut werden müssen. Das wären in diesem Fall 2 Kilometer, die nächsten Anwohner leben aber etwa 600 Meter entfernt.

Die Stimmung ist aufgeheizt. Die Eschenbacher wollen keine Mühlen¹, die fast dreimal so hoch wie der Kirchturm sind. Aber nicht weil die Stadt etwas gegen Erneuerbare Energien hat. Ganz im Gegenteil: Im Einzugsgebiet der Stadt stehen bereits 5 Mühlen, 5 Biogasanlagen, E-Lade-Stationen, und Solaranlagen. Letztere sind auf fast allen öffentlichen Gebäuden und auf Konversionsflächen mit Bürgerbeteiligung installiert. Solare Leistung Gesamt: 1 Megawatt.
Somit erzeugt die Stadt fast dreimal so viel Strom wie sie verbraucht. Aus Erneuerbaren.

Windräder
Windräder in Wolframs-Eschenbach

Im Jahrelangen Rechtsstreit hat die kleine Stadt einige Klagen gegen den Bau der Anlagen eingereicht. Einige stützen sich auf Betroffene des Schattenwurfs der Rotorblätter oder einfach den Lärm und sogenannte Infraschallemissionen. Dieser nicht hörbare Schall soll zu Gesundheitsbeschwerden führen.
Den meisten Bürgern liegt vor allem der Artenschutz am Herzen. So hat die Stadt einen Ornithologen beauftragt, der ein vogelschutzrechtliches Gutachten erstellt hat. Dabei hat dieser eine signifikant höhere Anzahl Vögel im Bereich der Anlage festgestellt, als bisherige Gutachter.
Das ungewöhnliche: Der Ornithologe fand viele tote Tiere direkt unter ihren Horsten. Diese werden im Bericht dann nicht mitgezählt, eine unglaubliche Vermutung liegt nahe: Unbekannte haben vor der Zählung viele Tiere getötet. Die Anzahl der im Bereich lebenden Tiere ist maßgeblich für die Entscheidung, ob eine Anlage genehmigt wird, oder nicht. Dörr vermutet die Windkraftlobby als Drahtzieher.

Über den Artenschutz bei der Planung und Bau von Windkraftanlagen spricht Oliver Rühl. Er ist Energieberater und Vorstandsmitglied beim Bund Naturschutz in Bayern e.V. – Kreisgruppe Ansbach.

[1] Mühle = Branchenintern für Windkraftanlange

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Bioenergie

Biogasanlagen sind in der Energiewende nicht wegzudenken: Sie sind grundlastfähig, denn sie liefern Strom rund um die Uhr – unabhängig von Sonne und Wind. Sie sind umweltfreundlich, wenn sie korrekt gewartet und überprüft werden.
Um einen Einblick in die Thematik der Biogasanlagen zu bekommen, haben wir die Biogasanlage von Martin Waldmann in Strüth (Landkreis Ansbach) besucht.

Wichtige Fakten zum Thema Maisanbau

In ganz Europa wird die in Südamerika heimische Pflanze angebaut. Obwohl der Mais höhere Temperaturen „gewohnt ist“ wird er dennoch auf etwa 30% der Ansbacher Ackerflächen angebaut. Abgesehen von der Kritik an Monokulturen gibt es noch andere Probleme mit dem Süßgras. Aufgrund seiner Wachstumseigenschaften liegen die Felder lange brach. Im Oktober wird geerntet und erst Ende April hat der Boden ein schützendes Blätterdach. Damit ist die Erde mindestens 7 Monate der Witterung ausgesetzt.

Wo liegt das Problem?

Die Bodenerosion durch Regen: Das Wasser spült Erde und Nährstoffe mit sich.

Mais
Der offen liegende Boden unter der Pflanze im Juni

Dadurch sind einerseits Ablaufgraben und Flüsse von Verlandung bedroht. Das bedeutet, dass der Fluss an Tiefe verliert, da sich die Erde im Flussbett sammelt. Dadurch kann das Gewässer weniger Wasser aufnehmen und die Gefahr von Überschwemmungen steigt.
Wurde andererseits stark gedüngt, gelangen diese Stoffe durch natürliche Kreisläufe in Seen. Dies führt dann zu vermehrten Wachstum von Algen, zur Trübung und Sauerstoffmangel im Wasser. Durch die Trübung kann die Sonne die am Boden wachsenden Pflanzen nicht mehr erreichen. Diese verschwinden dann von dort und sind dann in den Flachwasserzonen zu finden – somit verlieren am Boden lebende Organismen ihren Lebensraum. Der Mangel an Sauerstoff lässt Fische verenden und trägt somit in gleichem Maße dazu bei, das Ökosystem zu zerstören.

Wie kann es gelöst werden?

Ein einfaches Mittel ist die Aussaat von schnell wachsenden Kulturpflanzen nach der Maisernte. Diese schützen den Boden durch Verwurzelung vor dem Winter. Während der kalten Monate sterben die Pflanzen dann ab, und bleiben als Mulch auf dem wertvollen Boden liegen. Werden Blumen ausgesät, können sich Insekten wie Bienen noch bis in den Spätherbst daran bedienen. Allerdings bedeutet diese „Mulchsaat“ für die Bauern mehr zeitlichen und finanziellen Aufwand – diesen sind Bauern auch bereit zu leisten, da nach einigen Jahren sogar die Qualität des Bodens steigt. Leider wird eine solche Mulchsaat noch nicht flächendeckend angewandt.

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Solarenergie

Die Sonne ist maßgeblich verantwortlich für alle Energiearten, die wir auf der Erde kennen. Ohne sie würde kein Wind wehen, keine Pflanzen wachsen. Kein Leben existieren. Unser gelber Stern ist auch verantwortlich für fossile Brennstoffe und sämtliche Elemente des Periodensystems, wie etwa Uran und Plutonium, die in der Kernspaltung verwendet werden.
Wenn sämtliche Energie der Erde ursprünglich von der Sonne kommt, wieso diese dann nicht direkt nutzen? Die Sonne sendet innerhalb einer Stunde soviel Energie auf unseren Planeten, wie die gesamte Weltbevölkerung in einem Jahr benötigt. Ein theoretischer Wert, der natürlich von Einstrahlungsdauer und -ort abhängt.

Um zu erfahren, wie die Sonnenstrahlung in Mittelfranken genutzt wird, haben wir das Photovoltaikzentrum Hornig in Flachslanden (Landkreis Ansbach) besucht. Der Handwerksbetrieb führt seit 2006 unter anderem Elektroinstallationen in Privathaushalten durch und ist mit ihrem Angebot von Solarpanelen ein lokaler Player in der Energiewende. Elvira Hornig ist Prokuristin des kleinen Familienbetriebs. Die 28jährige gibt uns einen Einblick in die Branche.

Elvira Hornig
Elvira Hornig

„Nach den Änderungen im EEG haben ab 2012 viele Firmen das Handtuch werfen müssen. Durch die geringeren Einspeisevergütungen sind private Solaranlagen weniger rentabel geworden. Hornig sieht die Änderungen des EEG kritisch: “Man hat den Eindruck, die Bürger stehen mehr hinter der Energiewende als die Politiker“.

Die Hersteller von Batteriespeichern freuen sich hingegen: Durch die gesunkene Einspeisevergütung wird der Eigenverbrauch und die Speicherung rentabler. Moderne Speichersysteme lassen sich leicht nachrüsten und haben eine Lebensdauer von etwa 15 Jahren, die Solarzellen halten sich rund 30 Jahre. Zur Installation der Solarzellen sind an den meisten Häusern keine baulichen Änderungen nötig, da die Solarpanele nur 18 Kilogramm wiegen. Zwischen 5000 und 15.000 Euro kostet das Eindecken eines kompletten Daches. Durchschnittlich liegt die maximale Leistung einer kompletten Hausanlage mit 20 Modulen bei 5 Kilowatt.

Die gesunkenen Einspeisevergütungen können mittlerweile durch ein neues Modell abgelöst werden. Mit der Direktvermarktung des eigenen Stroms. „Viele Kunden schrecken davor zurück, da es undurchsichtig um komplex ist“, so Hornig.
„Allerdings bietet einer unserer Partner an, die Vermarktung zu übernehmen. Somit muss sich der Kunde nicht mehr darum kümmern.“

Für Hornig ist die große Herausforderung der nächsten Jahre die Politik. „Die Politik will keine Selbstversorger. Daher müssen große Selbstverbraucher mit einer Anlagenleistung von über 10 Kilowatt eine Abgabe bezahlen. Warum? Weil sie ja sonst nicht an der Energiewende teilnehmen würden, argumentieren die Politiker.“

Das sind die einzigen Probleme unserer solaren Revolution.
Denn giftige Zellen mit chemischen Verbindungen wie Cadmium-Tellurid werden kaum noch verkauft und in Deutschland gibt es eine gesetzliche Rücknahmepflicht von ausgedienten Zellen. Diese können von internationalen Firmen wieder recycelt werden.

Und auch das Gerücht, Solarzellen benötigen in der Herstellung selbst zu viel Strom, hält sich hartnäckig. Doch die Branche hat sich laufend gewandelt und die Herstellung der Zellen verbraucht immer weniger Energie. Innerhalb der ersten vier Jahre ist der Strom, der für die Herstellung verbraucht wurde, wieder erzeugt.

Freiflächenanlage
Eine Freiflächenanlage benötigt viel Platz

Was fehlt uns also noch im Solarbreich? Um das zu beantworten, haben wir mit Oliver Rühl gesprochen. Er ist Energieberater und Vorstandsmitglied beim Bund Naturschutz in Bayern e.V. – Kreisgruppe Ansbach und sagt: „Keine Energiewende ohne Wärmewende“



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E-Mobilität

Das Old Hippie in Fürth, der Parkplatz ist – von Renault bis Tesla – vollgeparkt mit Elektroautos. Einmal im Monat treffen sich hier Elektro-Auto-Fahrer und Interessierte. Markus Weber und Stefan Engert haben den Stammtisch zum Erfahrungsaustausch zwischen Interessierten und Besitzern ins Leben gerufen. Auch Markus Rützel, der Vorsitzende von „Solid“, einem Tochterunternehmen mittelfränkischer Energieversorger, dass zurzeit hauptsächlich das Ladesäulen Netz in Mittelfranken ausbaut, ist regelmäßiger Gast.
Der Informationsaustausch ist den Anwesenden wichtig, denn die öffentliche Debatte sei immer noch von Vorurteilen durchzogen, die schon lang nicht mehr aktuell sind.

 E-Auto
Das E-Auto der Firma Hornig Photovoltaikzentrum

Die Reichweite zu gering – Die Ladezeit zu lang?

Immer wieder wird auf die scheinbare „Achilles Ferse“ der Elektroautos hingewiesen – die Reichweite. Herr Engert wird häufig an Ladesäulen angesprochen: „Und wie lang dauert es bis der Akku dann wieder geladen ist?“ – Er zitiert dann gern einen Bekannten und antwortet: „Zehn Sekunden – fünf um den Stecker am Abend ein zu stecken, und weitere fünf um ihn am Morgen wieder heraus zu ziehen“.
Ein Pkw fährt, nach Angaben des Kraftfahrt Bundesamts, im Jahr 14.259 Kilometer. Auf den Tag gerechnet sind das lediglich 39 Kilometer. Meist um zur Arbeit zu fahren, die Kinder vom Sport ab zu holen oder seine Einkäufe zu erledigen. Bei dieser Nutzung reicht eine Akkuladung nicht nur einen Tag, sondern mehrere.
Und wenn es doch mal eine lange Strecke sein soll, so sind sich die Anwesenden einig: „Wenn ich vorher weiß, dass ich 2 Stopps mit jeweils einer Stunde Wartezeit einplanen muss, ist das doch gar kein Problem. Den Kaffee in der Raststätte kann man dann bewusst genießen.“ Herr Weber wirft ein, dass man im Alltag doch selten eine Langstrecke fährt. Und „nur weil ich einmal im Jahr in die Türkei in den Urlaub fliege, kauf ich mir ja nicht gleich ein Flugzeug“. Das Problem ist, dass man die Ansprüche, die man an ein Benziner hat, auf Elektroautos überträgt. Herr Rützel empfiehlt hier Fahrtenbuch zu führen: „Für 80% der Autofahrer wäre es billiger Elektroauto zu fahren, da bin ich mir sicher.“

Nicht genügend Ladesäulen?

Allein in Mittelfranken gibt es bald 100 Ladesäulen, erklärt Markus Rützel. Und diese sind nicht mal ausgelastet, denn die meisten laden ihr Auto zu Hause. Ein Problem ist allerdings die Sichtbarkeit der E-Tankstellen. Während Navigationsgeräte häufig Einkaufzentren, Tankstellen und Freizeitaktivitäten in jeder Stadt anzeigen können, fehlt ein Menü für Strom-Tankstellen.
Das Aufladen ist dort zurzeit sogar noch kostenlos. Allerdings liegt das an den juristischen Details, die noch geklärt werden müssen um ein Bezahlsystem zu etablieren. Dies ist die nächste Hürde, die „Solid“ überwinden will. „Wir wollen nicht, dass in der Bevölkerung das Bild entsteht, dass wir Strom verschenken. Energie ist ein Gut mit einem Wert und dieser sollte auch bezahlt werden.“

Das ist doch alles viel Zu teuer?

Renault Zoe – 21.500 € !
Nicht zu vergessen: Keine Einspritzanlage, keine Zündkerzen, kein Getriebe, kein Ölwechsel und selbst die Bremsen verschleißen langsamer, da meist der Motor bremst, um mit der Energie den Akku zu laden. Für Markus und Stefan ist klar, woran es scheitert: Der Wille der Automobilindustrie, wirklich um zu satteln. Da ihnen bei sämtlichen Autohäusern vom Stromer abgeraten wurde, haben sie den Stammtisch etabliert um ihre positiven Erfahrungen weiter zu geben. Denn die Autoindustrie beharrt, ihrer Meinung nach, auf dem Geschäft mit den Wartungsarbeiten und somit auf dem Benziner. Das einzige Verschleißteil beim Elektroauto ist der Akku, und den produziert kein deutscher Autohersteller selbst.
Doch spielt der Preis als Argument kaum eine Rolle. In einer Umfrage der CreditPlus Bank AG 2013 würden sich, wenn Geld keine Rolle spielen würde, nur 8 Prozent der befragten ein Elektroauto kaufen. Mit 17% wurde das Luxusmodell auf Platz 2 verwiesen und 21 % würden sich etwas „ganz Normales“ kaufen. Der Durchschnittsdeutsche will wohl unauffällig sein.

Dennoch sind die E-Fahrer optimistisch

Eine Aufbruchsstimmung durchflutet die dunkle Kneipe in Fürth. Die Anwesenden sehen die Wende zur Elektromobilität nicht in der Zukunft, sondern in der Gegenwart. Das Umdenken findet bereits statt, und wird immer mehr Menschen erfassen, je mehr ein Elektroauto fahren. Denn die meisten sind dann überzeugt, wenn sie wirklich mal damit gefahren sind, so die Stammtischler. Der Fahrspaß und die Beschleunigung: Unvergleichlich.
„Es ist nur noch eine Frage der Zeit – die Autos sind am Markt konkurrenzfähig geworden und der Gebrauchtwagen Markt für E-Autos wird kommen, nur braucht das eben ein paar Jahre.“
Und wenn ein Schritt gemacht ist, folgen die nächsten, schwärmt Stefan. Er hat mittlerweile nicht nur ein Stromer, sondern noch eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach. Er grinst übers ganze Gesicht, wenn er davon spricht: „Naja es ist wie wenn man sein Öl vom Dach zapfen kann – einfach genial.“

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Die vernachlässigten

Hier stellen wir Ihnen die ebenso wichtigen Themen Speicher, Netzübersicht und Zukunftsaussichten vor.

Die Speicherung

Die Firma AutarcTech aus Ansbach hat eine Software entwickelt um die Ladung und Entladung von Akkumulatoren zu perfektionieren. Das System kümmert sich um die gleichmäßige Ladung von Zellen innerhalb eines Akkus, was diesen leistungsfähiger macht. Speicherzellen produziert die Firma selbst nicht, allerdings kennt der Sohn des Chefs – Ralf Zenke – den Markt und gewährt Einblick in sein Fachwissen und die Branche.

Ralf Zenke von AutarcTech
Ralf Zenke von AutarcTech

Laufzeit – Entsorgung – Wiederverwertung ?

Die derzeitig typischen Speicher aus Lithium Zellen besitzen nach rund 20 Jahren noch eine Restkapazität von 50-60 %. Diese Aufnahmefähigkeit sinkt anfangs stärker und ändert sich später kaum noch. Somit ist es durchaus denkbar einen Speicher auch nach 100 Jahren noch verwenden zu können, allerdings mit einem Volumen von vielleicht 30% des anfänglichen Speichervermögens. Das führt zu zwei Optionen, wie man mit Speichern auf lange Sicht umgehen kann. Option 1: Sie werden recycelt um aus den Elementen neue Speicher zu bauen. Das ist allerdings so kostenintensiv, es würde es die Einkaufskosten um den Faktor 5 übersteigen. Option 2 ist da wahrscheinlicher, man nennt sie „Second Live“. Soll heißen, ein Akku wird anfangs zum Beispiel in einem Elektroauto verwendet, nimmt dann die Kapazität stark ab, baut man ihn aus und installiert ihn als Speicher im Eigenheim. Oder er findet Platz in großen Batterie-Speicherstätten, um Ausgleichsenergie für das Stromnetz zu bieten.

Boomen Speicher? Oder boomt nur die Diskussion?

Während die Preise für die Rohstoffe zur Fertigung der Zellen über die letzten Jahre konstant blieben, ist die Konkurrenz am Markt der Batteriespeicheranbieter enorm gestiegen. Der Preis für Netzunabhängigkeit im Eigenheim habe sich in den letzten drei Jahren halbiert. Auf Messen bemerkt Zenke über die Jahre ein steigendes Interesse an seinen Systemen. Der heimische Markt sei auch prädestiniert dafür: „Der Deutsche ist gern autark“. Autarkie rechnet sich allerdings nicht. Die Anschaffungskosten dafür sind zu hoch und nur wenige gönnen sich diesen Luxus. Meist werden die Heimspeicher bei Photovoltaikanlagen-Besitzern eingebaut. Damit können sie den Großteil ihres Stromes selbst nutzen und sind unabhängiger von den Preisschwankungen der Stromanbieter. Nach der EEG-Förderung sind sie dann auch nicht gezwungen Ihren Strom billig ins Netz ein zu speisen. Die Anschaffungskosten amortisieren sich im Schnitt nach 7 bis 8 Jahren.

Billig-Ware aus Asien?

Bei der Herstellung von Akkuzellen steht Deutschland hinten an. Der Boom findet im asiatischen Raum statt, so Zenke. Er selbst kauft seine Lithium-Zellen in China. Im Vergleich zu billigen Handyakkus sind diese Qualiativ hochwertig und reagieren bei Beschädigung nicht mit der Luft, so dass die Batterie nicht explodieren kann.

Akkus und Ladesystem
Akkuzellen (gelb) und Ladesystem

Die Forschung steht nicht still – mit kleinen Veränderungen an den Systemen können diese also leistungsfähiger und sicherer gemacht werden.

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Strommarkt Ansbach

Um den Strommarkt der mittelfränkischen Hauptstadt besser zu verstehen, haben wir mit den Stadtwerken Ansbach gesprochen. Herr Robert Hlava nennt aktuelle Zahlen, gibt Zukunftsaussichten und erklärt uns den Energiemix.

Zuerst ist interessant, dass am Netz der Stadtwerke keine Windkrafträder angeschlossen sind. Beim Anschluss von Erneuerbaren wird der wirtschaftlich günstigste Verknüpfungspunkt gewählt. Dieser liegt bei den Windrädern um Ansbach beim Netzbetreiber N-Energie.

10 Prozent des benötigten Stroms in Ansbach liefern Biogasanlagen. Die grüne Energie durch Photovoltaik liegt bei 9 Prozent. Hlava stellt fest: „Es gibt eine Umkehr der Lastflüsse – die Stromzähler laufen mittlerweile in beide Richtungen. Manche Ortsteile produzieren mehr Strom, als sie selbst verbrauchen.“ Hier liegt für den Vertriebsverantwortlichen die Herausforderung: Alle Erzeuger von grünem Strom ins Netz aufzunehmen. Dabei müssen Leitungen neu gelegt werden und vorhandene verstärkt werden, aber er sieht das optimistisch: „Wir leisten, was sich die Ansbacher wünschen, und das ist Öko-Strom“

Daher bekommen alle Kunden der Stadtwerke bereits CO2-frei produzierte Energie. Noch einen Schritt weiter geht man mit dem Produkt „RegiNA“ – so nennt sich das umweltschonende Stromprodukt aus regionalen Erneuerbaren.

Regional, ja sogar lokal erzeugte Energie ist durch eine Solaranlage auf dem eigenen Dach möglich. Doch wollen die Stadtwerke Eigenversorger? „Wir hoffen tatsächlich auf mehr Selbstverbraucher mit eigenen Speichern, nur so klappt die Energiewende“, lächelt Hlava.

Mehr dazu hören Sie in diesem Audiokommentar von Robert Hlava. Wir haben gefragt, was er zu den unterschiedlichen erneuerbaren Energieträgern, dem privaten Stromverbrauch und dem Netzausbau sagt.



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Aussichten

Prof. Dr. Ing. Rosenbauer lehrt an der Hochschule Ansbach regenerative Anlagensysteme und Energiewirtschaft.
„Wir brauchen Flexibilität im System“ – Damit steht oder fällt die Energiewende. Um das zu schaffen gibt es nicht eine, sondern eine Vielzahl an Lösungen.
Von der Internationalen Kopplung der Energiemärkte, über Biogasanlagen bis hin zu Demand-Management. Die Mischung aus allem schafft eine flexible Energieversorgung die auf fossile Brennstoffe verzichten kann.



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Impressum

Eine Semesterarbeit von Sami Wiese und Emanuel Wiesner im Studiengang Ressortjournalismus der Hochschule Ansbach.

Für die verwendeten Bilder liegen die Rechte, bei den Autoren dieser Seite.
Ausnahmen:

Titelbild Windkraftanlagen:
Katrin Nachbaur

Icon Windengerie:
https://thenounproject.com/term/windmill/343609/
Windmill by Chameleon Design from the Noun Project

Icon Solarnergie:
https://thenounproject.com/Chamedesign/icon/343630/
Sun by Chameleon Design from the Noun Project

Icon Bioenergie:
https://thenounproject.com/term/leaf/363204/
leaf by Jonathan Gibson from theNoun Project

Icon E-Mobilität (Changed):
https://thenounproject.com/search/?q=electric+car&i=266622
Electric Car (Changed) by lastspark from the Noun Project

Icon: Speicherung:
https://thenounproject.com/term/dead-battery/357822/
dead battery by Jonathan Gibson from the Noun Project

Icon Strommarkt Ansbach:
https://thenounproject.com/iamjon/uploads/?i=356856
Lightning Bolt by Jonathan Gibson from the Noun Project

Icon Aussichten:
https://thenounproject.com/iamjon/collection/circles/?i=364546
Compass by Jonathan Gibson from theNoun Project

Verantwortlich im Sinne des §5 Telemediengesetz:
Emanuel Wiesner
Hospitalstraße 7
91522 Ansbach

mail@emanuelwiesner.de
Haftungsausschluss:

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